Megatrends: Strukturelle Veränderungen in Afrika
Afrikanische Staaten und Gesellschaften durchlaufen gegenwärtig tiefe Umwälzungen, die von globalen Megatrends angetrieben oder beeinflusst werden. Megatrends sind langfristig wirkende Entwicklungen und haben tiefgreifende Auswirkungen auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Ordnungen. Das gilt etwa für den Klimawandel, die Urbanisierung, die Digitalisierung, den demographischen Wandel oder die Verschiebung globaler Kräfteverhältnisse.
Projektleitung:
Benedikt Erforth
Christine Hackenesch
Projektteam:
Lena Gutheil
Hangwei Li
Phemelo Tamasiga
Finanzierung:
Auswärtiges Amt (AA), BMF, BMFTR, BMVg, BMWE, BMZ
Zeitrahmen:
2026 - 2028
/
Laufend
Kooperationspartner:
Megatrends Afrika ist eine Kooperation zwischen der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), dem German Institute of Development and Sustainability (IDOS) und dem Kiel Institut für Weltwirtschaft (Kiel Institut).
Projektbeschreibung
Das Projekt „Megatrends Afrika“
Gerade in der heutigen Zeit der Disruption, vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Weltordnung, der Rückkehr des Krieges nach Europa und dem Zerfall des Westens als Wertegemeinschaft, stehen Deutschland und Europa vor großen Herausforderungen. In dieser Situation gewinnen afrikanische Länder als Partner für Deutschland und Europa stetig an Relevanz – sei es bei der Reform der multilateralen Ordnung, bei der Verringerung wirtschaftlicher Abhängigkeiten oder bei der Gewinnung von Fachkräften. Diese Zusammenhänge stellen deutsche und europäische Entscheidungsträger*innen vor neue Herausforderungen und erhöhen den Bedarf an wissenschaftlich fundierter Politikberatung.
Im Projekt „Megatrends Afrika: Kooperation mit Afrika in Zeiten globaler Disruption“ entwickeln wir Ideen für die deutsche und europäische Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern entwickeln, um die laufenden Wandlungsprozesse nachhaltig und fair zu gestalten. Wir gehen dabei den Fragen nach, welche Auswirkungen die neue Weltordnung und zentrale Megatrends auf Politik, Wirtschaft und Frieden in Afrika haben, wie afrikanische Gesellschaften ihre Politiken in Anbetracht eines zunehmend fragmentierten internationalen Systems gestalten und in welchen Bereichen Deutschland und Europa ihre Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern weiterentwickeln können, um gemeinsame Interessen zu verfolgen.
Dabei konzentrieren wir uns auf vier Themenfelder:
- Frieden und Sicherheit
- Zukunft der Demokratie
- Wirtschaftliche Perspektiven
- Afrikas Rolle in der neuen Weltordnung
Für Wissenschaftler*innen bzw. Autor*innen gelten die allgemein anerkannten Grundsätze zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Die Kurzanalysen und Arbeitspapiere unseres Projektes unterliegen einem internen schriftlichen Begutachtungsverfahren („Peer-Review“). Die Kurzanalysen durchlaufen zudem einem Faktencheck. Die Publikationen geben die Auffassung der Autor*innen wieder.
Neue Impulse für die afrikapolitische Debatte
Als Forschungs- und Beratungsprojekt wollen wir politischen Entscheidungsträger*innen anwendungsorientierte Impulse geben. Das Projekt bringt Wissenschaftler*innen aus beiden Kontinenten und unterschiedlichen Disziplinen zusammen. Unser Ziel ist es, in den Austausch zu treten, verschiedene Perspektiven einzunehmen, kritisch zu hinterfragen und zu diskutieren. Diese Debatten führen wir in Workshops mit Personen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft, über unsere Publikationen oder auch auf dem Blog unserer Webseite (Spotlights). Damit wollen wir Beiträge zu einer differenzierteren öffentlichen Debatte zu Afrika leisten.
Förderung
Als ressortübergreifend gefördertes Forschungs- und Beratungsvorhaben werden wir vom Auswärtigen Amt (AA), dem Bundesministerium der Finanzen (BMF), dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) finanziert.
Themenfeld: Frieden und Sicherheit
Die Zahl der Konflikte in afrikanischen Staaten nimmt zu – ebenso wie die Zahl der zivilen Opfer und Vertriebenen. Im Themenfeld Frieden und Sicherheit blicken wir auf die internationalen Rahmenbedingungen afrikanischer Konflikte sowie die Wechselwirkungen zwischen der Multipolarität auf internationaler Ebene, Fragmentierung auf regionaler Ebene und zunehmender Militarisierung auf nationaler Ebene. Wie navigieren afrikanische Regierungen sicherheits- und außenpolitisch zwischen diesen Ebenen? Welche Auswirkungen hat dies auf Konfliktdynamiken, politische Stabilität und außenpolitische Orientierung?
Themenfeld: Zukunft der Demokratie
Wie auch im Rest der Welt haben die aktuellen globalen politischen und ökonomischen Disruptionen direkte Konsequenzen für die internationale Kooperation zur Förderung von Demokratie in Afrika. Etablierte Demokratien haben in den vergangenen Jahren ihre Strahlkraft als Vorbilder eingebüßt, während autoritäre Modelle an Bedeutung gewonnen. Viele afrikanische Länder folgen dem globalen Trend zur Autokratisierung, während parallel politische Proteste und soziale Bewegungen, die die bestehende Ordnung in Frage stellen, an Bedeutung gewinnen. Wie wirken sich demographischer Wandel, Digitalisierung und Urbanisierung auf politische Einstellungen und politisches Verhalten afrikanischer Bürger*innen aus? Welche Auswirkungen hat der Wegfall der USA als Demokratieförderer und politisches Modell für die Demokratieförderung in Afrika?
Themenfeld: Wirtschaftliche Perspektiven
In den nächsten Jahren wird die Engpassfrage afrikanischer Entwicklungspolitik weiter in den Fokus rücken: Wie lässt sich ein stark wachsender Investitionsbedarf in Klima, Bildung und Infrastruktur finanzieren und in produktives Wachstum übersetzen, während klassische Gebermittel knapper werden und Schuldenrisiken zunehmen? Wir bündeln die Analyse entlang dreier Achsen: erstens die Wirksamkeit von Reform- und Investitionsinitiativen wie den G20 ‚Compacts with Africa‘ bei der Mobilisierung privaten Kapitals, zweitens die sinnvolle Arbeitsteilung zwischen privater Finanzierung und öffentlicher Entwicklungsfinanzierung inklusive heimischer Ressourcenmobilisierung, drittens die Rolle struktureller Engpässe wie Infrastruktur, Energie, Qualifikationen und Governance für Investitionsentscheidungen und nachhaltige Partnerschaften.
Themenfeld: Afrikas Rolle in der neuen Weltordnung
Die globalen Machtverhältnisse verschieben sich hin zu einer multipolaren und fragmentierten Weltordnung. Dies verändert auch das Selbstverständnis afrikanischer Akteure, die sich zunehmend am Konzept des Multi-Alignment orientieren. Staaten wie China, Russland, die Vereinigten Arabischen Emirate oder die Türkei verstärken ihr politisches, wirtschaftliches und militärisches Engagement auf dem Kontinent und schaffen mehr Wahlmöglichkeiten für strategische Partnerschaften für Afrika. In diesem Themenfeld beschäftigen wir uns mit den geopolitischen Machtverschiebungen und deren Auswirkungen auf Handlungsspielräume afrikanischer Akteure in Entwicklungs-, Klima-, Sicherheits- oder Wirtschaftspolitik.