Die aktuelle Kolumne

Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Welt

Internationaler Tag der Jugend

Eberz, Isabelle / Samantha Ruppel / Neringa Tumėnaitė
Die aktuelle Kolumne (2023)

Bonn: German Institute of Development and Sustainability (IDOS), Die aktuelle Kolumne vom 07.08.2023

Bonn, 7. August 2023. Die Klimakrise lässt sich nicht ohne einen grünen Wandel bewältigen. Ein Wandel, den vor allem die Jugend einfordert – schließlich wird sie die Folgen der gegenwärtigen Entwicklung zu tragen haben. Ihre Anliegen sind daher von größter Wichtigkeit. Der von den Vereinten Nationen (VN) ausgerufene Internationale Tag der Jugend findet jedes Jahr am 12. August statt und bietet jungen Menschen eine Plattform, auf der sie Forderungen zu relevanten Themen formulieren können. Das diesjährige Thema lautet „Green Skills für die Jugend: Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Welt“.

Was sind Green Skills?

Obgleich sie eine wichtige Rolle spielen, sind Green Skills nicht klar definiert. Für die Formulierung von Maßnahmen und die Neugestaltung von Bildungsformaten, die grüne Kompetenzen fördern, ist jedoch ein Verständnis des Konzepts unerlässlich. Unser Verständnis von Green Skills basiert auf einer Unterscheidung zwischen zwei Komponenten. Die erste Komponente umfasst spezifisches technisches Fachwissen und Fähigkeiten zur Ausübung grüner Berufe. Die zweite Komponente umfasst transversale Kompetenzen, die sich auf ein breites Spektrum an Wissen, Werten und Einstellungen beziehen, die einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Lebensstil fördern. Transversale Kompetenzen sind verschiedene Fähigkeiten, wie etwa Problemlösungskompetenzen, kritisches Denken und emotionale Intelligenz.

Green Skills können eine transformative Kraft entfalten, spielen sie doch eine Schlüsselrolle bei Umstellungen und Veränderungen von Gesellschaften, Volkswirtschaften und Industrien hin zu einer nachhaltigeren Zukunft. Es ist jedoch wichtig, dass Green Skills auch auf eine transformative Weise vermittelt werden, das heißt, die Lernenden mit der Fähigkeit auszustatten, sich den Herausforderungen der heutigen komplexen Welt zu stellen. Transformatives Lernen kann in Kombination mit transversalen Kompetenzen kognitive Veränderungen fördern, die zur Selbstreflexion anregen, um bestehende Weltanschauungen und Praktiken in Frage zu stellen und gleichzeitig Raum für alternative Ansätze zu schaffen.

Bildung für Green Skills

Beim dringend benötigten ökologischen und gesellschaftlichen Wandel spielen Bildung und Kompetenzentwicklung eine entscheidende Rolle. Schließlich wird es bis 2030 mehr als 60 Prozent der jungen Menschen an den notwendigen Fähigkeiten fehlen, diese Herausforderungen zu bewältigen. Für diese negative Entwicklung gibt es zwei Gründe: Erstens mangelt es generell an einer kohärenten Politik in den Bereichen Kompetenzentwicklung und Umwelt, da diese oft getrennt voneinander diskutiert werden. Zweitens sind die meisten der heutigen Bildungssysteme weltweit nicht darauf abgestimmt, die erforderlichen Green Skills zu vermitteln. Um den grünen Wandel voranzutreiben und die Jugend mit Green Skills auszustatten, brauchen wir Bildungsreformen und gut abgestimmte politische Maßnahmen.

Die mangelnde Kohärenz zwischen Bildungs- und Umweltpolitik ist auf unterschiedliche Prioritäten, ein begrenztes Bewusstsein und institutionelle Hindernisse zurückzuführen. Daher ist es notwendig Plattformen für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den relevanten Akteur*innen zu schaffen. Mit dem Internationalen Tag der Jugend 2023 schaffen die VN einen Raum für Austausch und Bewusstseinsbildung und legen den Grundstein für solche Plattformen, auf denen Akteur*innen Strategien und bewährte Verfahren austauschen können. Der Internationale Tag der Jugend bietet den Teilnehmenden eine wichtige Gelegenheit, diese Plattformen weiterzuentwickeln und die relevanten Stakeholder*innen in die Verantwortung zu nehmen. Policies sollten gemeinsam mit Jugendbewegungen und indigenen Gemeinschaften, die unmittelbar vom Klimawandel betroffen sind, weiterentwickelt werden. Diese müssen Jugendliche unterstützen, die nicht nur ihre Green Skills ausbauen, sondern auch den Status quo in Frage stellen und gängige Narrative überdenken wollen. Dies kann durch die Einrichtung einer sektorübergreifenden Task Force geschehen. Jugendliche können auf lokaler Ebene Informationen über Herausforderungen und Bedürfnisse sammeln, welche ihre Vertreter*innen zusammen mit den Stakeholder*innen dann auf die nationale und internationale Ebene bringen können, auf der die sektoralen Task Forces tätig sind.

Die Reform von Bildungssystemen gestaltet sich häufig schwierig, da sie meist auf lokaler Ebene geplant und durchgeführt wird. Dennoch gibt es Best Practices dafür, Bildungssysteme so anzupassen, dass Green Skills durch transformatives Lernen vermittelt werden können. Globale Webinare, die die VN bereits jetzt organisiert, könnten stärker dafür eingesetzt werden, diese Best Practices zu vermitteln und die lokale Netzwerke für Bildung für nachhaltige Entwicklung, die in ihren jeweiligen Ländern auf einen grünen Wandel hinarbeiten, besser einzubeziehen.

Im Rahmen von Multi-Stakeholder-Lerninitiativen kommt es zum Austausch mit unterschiedlichsten Gruppen. „Dies ermöglicht Teilnehmenden etwas Neues zu erfahren, motiviert sie und ermöglicht ihnen sich auszutauschen, um voneinander zu lernen“ (Aményon AKAKPO, YFES Services, Absolvent der BMZ African-German Leadership Academy). Embodied Learning und empathisches Lernen helfen dabei, ein Bewusstsein für unsere Umgebung zu schaffen, indem ein Bewusstsein für uns selbst und andere entwickelt wird. Dazu muss Raum für Selbstreflexion und Lernen von anderen geschaffen werden, etwa durch aktives Zuhören, Rollenspiele oder Aktivitäten mit und in der Natur. Schließlich trägt das Aufspüren blinder Flecken maßgeblich zu Lernprozessen bei, die dazu beitragen, Wissenslücken zu erkennen und zu verstehen, warum diese Lücken bestehen. Dazu gehört es, die Dominanz bestimmter Wissensformen kritisch zu hinterfragen und dekoloniale Ansätze einzubeziehen. Der Austausch sollte auf mehreren Ebenen stattfinden, um auch die verborgenen Strukturen und Mechanismen der Bildungssysteme einzubeziehen.


Isabelle Eberz ist Kulturwissenschaftlerin und arbeitet in der BMZ African-German Leadership Academy am  German Institute of Development and Sustainability (IDOS) in Bonn.

Samantha Ruppel ist Politikwissenschaftlerin und Leitung der BMZ African-German Leadership Academy  am  German Institute of Development and Sustainability (IDOS) in Bonn.

Neringa Tumėnaitė ist Doktorandin an der SOAS University of London, Mitglied des Pools Europäischer Jugendforscher*innen bei der EU-Europarat Jugendpartnerschaft und Direktorin von Humanity Consulting. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Qualität der Beteiligung der Jugend an der Entscheidungsfindung im Rahmen der europäischen Außenpolitik in den Bereichen Klimaschutz und Friedenskonsolidierung.

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