Pressemitteilung vom 19.06.2026
„Sind Supermärkte Treiber der Nachhaltigkeitstransformation?“ Neue Forschungsergebnisse des IDOS sowie universitärer Partnerinstitutionen aus Schweden, der Türkei und den USA zeigen: Lebensmitteleinzelhändler treiben Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen oftmals erfolgreich voran.
Supermärkte könnten ihre Rolle als Schlüsselakteure zwischen Lieferketten und Kund*innen jedoch noch ambitionierter nutzen. Berichtspflichten, die den Wettbewerb anreizen, die Einbindung in ambitionierte Multiakteurs-Sektorstrategien und systematisches Upscaling erfolgreicher Einzelmaßnahmen könnten ihre transformative Wirkung untermauern.
Zu den zentralen Ergebnissen gehören:
- Supermärkte verfolgen vor allem in nordeuropäischen Ländern ambitionierte Umweltschutzmaßnahmen und berichten weitgehend transparent über den Fortschritt.
- Unterschiede zwischen den großen Unternehmen wie Lidl und Aldi, REWE und Edeka: Bei vielen Umweltthemen sind es in Deutschland die Discounter Lidl und Aldi Süd, die sich besonders engagieren. Sie profitieren dabei von zentralisierten Entscheidungsprozessen und starkem Einfluss auf die Lieferkette bei ihren Eigenmarken.
- Die Einzelhandelskooperativen Edeka und REWE sind dagegen aufgrund ihrer regionalen Einbettung teilautonomer Filialen führend bei regionaler Beschaffung und ihre Geschäftsmodelle beinhalten das Angebot für Pfandsysteme.
- Eigenmarken des Handels werden im Schnitt anspruchsvoller zertifiziert als Herstellermarken, die Studie zeigt Gründe dafür auf.
- Schwächen in der Berichterstattung: Unternehmen berichten in der Regel so, dass sie sich der Vergleichbarkeit entziehen. Harmonisierte Berichtspflichten können Innovationswettbewerb in Gang setzen, wenn klare Standards gesetzt werden, wie es im Rahmen der Science-based Targets Initiative geschieht.
- Supermärkte üben Druck auf ihre Lieferant*innen aus, nachhaltig zu produzieren, der Preisdruck erschwert jedoch die Umsetzung; nur sehr selten bieten sie Unterstützung an. Multistakeholder-Initiativen können hier Abhilfe leisten.
- Bei der Umstellung auf klimafreundliche vegane Proteinquellen gibt es jüngst vielfältige gute Praktiken, die noch besser kombiniert werden könnten.
- Konsument*innen unterschätzen die negativen Umweltfolgen des Fleischkonsums. Zielgerichtete Informationen darüber können dazu beitragen, nachhaltigere Kaufentscheidungen zu fördern.
Die Ergebnisse werden im Rahmen einer virtuellen Konferenz am 23. und 24. Juni 2026 diskutiert, einige in Kürze u.a. auf der Plattform SSRN publiziert. Die drei Online-Podiumsrunden am 24. Juni sind für Journalist*innen geöffnet.
Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen:
- Über Standards hinaus: (Wie) können Einzelhändler Erzeuger beim Übergang zu einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion unterstützen?
- Günstige Grillfleischangebote und der Vegan-Boom: Die Rolle der Lebensmitteleinzelhandelsketten beim Ernährungswandel
- Wann führen Nachhaltigkeitsinnovationen zu einer branchenweiten Transformation im Einzelhandel?
Es diskutieren Vertreter*innen aus der Wissenschaft, von Supermärkten (Lidl, ICA, Migros Türkei, Axfood, Coop), von gesellschaftlichen Akteuren wie Oxfam und Questionmark, von industrienahen Verbänden wie World Business Council for Sustainable Development und Science-based Targets Initiative, sowie aus öffentlichen Institutionen wie dem Umweltbundesamt und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).