Kompetenzen und Karrierewege in der internationalen Zusammenarbeit: Die Verbleibstudie des IDOS-Postgraduierten-Programms

Gründungsmandat des IDOS war das Postgraduierten-Programm (seit 2024: Postgraduate Programme for Sustainability Cooperation – PGP), das inzwischen seit über 60 Jahren Nachwuchskräfte auf Fach- und Führungsaufgaben für die internationale Zusammenarbeit vorbereitet.

Zum 60-jährigen Jubiläums ließ IDOS eine Verbleibstudie erstellen, die erstmals systematisch die Kompetenzentwicklung und Karrierewege von rund 1000 Alumni und Alumnae untersucht.

Die Online-Befragung aller Jahrgänge 1965–2023 erreichte etwa 800 ehemalige Teilnehmende. Die hohe Rücklaufquote von 46 % und die Teilnahme aus allen Jahrgängen weisen auf eine hohe Identifikation mit dem Programm hin.

Kompetenzen für internationale Kooperation im Wandel

Die Ergebnisse bestätigen den wertvollen Beitrag des PGP zur Nachwuchsförderung und liefern zugleich Impulse für die Weiterentwicklung. Mit den Reformen 2024 wurden Diversität, Internationalisierung und Partnerorientierung gestärkt, neue Zulassungskriterien eingeführt und ein stipendienfinanziertes Modell etabliert.

Internationale Kooperation, Nachhaltigkeit und sozial-ökologische Transformation bleiben zentrale Themen bei der Lösung globaler Herausforderungen. Gleichzeitig fordern Disruption und Krisen das Berufsfeld weiter heraus – auch auf persönlicher Ebene. Neben Fachwissen gewinnen soziale und persönliche Kompetenzen daher weiter an Bedeutung. Fach- und Führungskräfte müssen hierfür gezielt vorbereitet werden.

Zentrale Ergebnisse auf einen Blick

Die folgenden Graphiken geben einen Überblick über zentrale Ergebnisse der Studie:Die folgenden Graphiken geben einen Überblick über zentrale Ergebnisse der Studie:

Weiterempfehlung: 93 % der Absolvent*innen würden das Programm weiterempfehlen – ein eindrücklicher Beleg für die Wirksamkeit des Programms.

Berufseinstieg: 96 % sehen einen (sehr) positiven Einfluss des PGP auf ihren Berufseinstieg. Für 76 % war er sogar uneingeschränkt positiv.

Führungsverantwortung: Der Anteil an Leitungspositionen steigt mit zunehmender Berufserfahrung: etwa 20 % haben direkt nach dem Abschluss, 50 % nach fünf Jahren, 75 % nach zehn Jahren Führungspositionen mit Entscheidungsbefugnissen.

Wirkung auf die berufliche Entwicklung: 93 % bewerten den Einfluss des PGP auf ihren Berufsweg als sehr oder eher positiv – über alle Kohorten hinweg stabil.

Berufseinstieg und Karriereverläufe der Absolvent*innen

Für den Berufseinstieg spielten über die letzten 60 Jahre insbesondere das BMZ, die KfW Entwicklungsbank sowie die GIZ und ihre Vorgängerorganisationen eine zentrale Rolle. Beratung/Consulting folgt mit 16 % als zweithäufigster Bereich für die erste Anstellung.

Im weiteren Karriereverlauf arbeiten viele Absolvent*innen in Ministerien, internationalen Organisationen, Stiftungen oder Forschungseinrichtungen. Fünf Jahre nach Abschluss sind etwa 50 % der Absolvent*innen bei BMZ, GIZ oder KfW tätig. Insgesamt waren rund 20 % im Laufe ihres Berufslebens beim BMZ beschäftigt oder sind es zum Befragungszeitpunkt noch. Auch fünf Jahre nach Abschluss arbeitet die klare Mehrheit weiterhin im Bereich EZ/IZ oder in angrenzenden Feldern. Nur 8 % aller berufstätigen Absolvent*innen sind zum Befragungszeitpunkt in anderen Arbeitsbereichen außerhalb der internationalen Zusammenarbeit.

Wirkung des PGP auf die Stärkung von Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen

Die Übersicht zeigt den prozentualen Anteil der Alumni, die eine (sehr) große Wirkung auf die Stärkung ihrer Fähigkeiten in folgenden Bereichen angeben:

Über alle Jahrgänge hinweg stärkt das PGP besonders Kompetenzen in Kooperation und Zusammenarbeit: Für 78 % der Absolvent*innen war das Programm hier von (sehr bis eher) großem Nutzen. Auch wenn berücksichtigt werden muss, dass sich die Kompetenzen für internationale Kooperation im Zeitverlauf wandeln, steht die Stärkung der Kompetenzbereiche Kooperation, interkulturelle Kommunikation, kritisches Denken,  systemisches Denken, Kommunikation und strategisches Handeln über 60 Jahren hinweg im PGP im Vordergrund.

Soziodemographische Merkmale

Das Geschlechterverhältnis der befragten Absolvent*innen ist insgesamt ausgeglichen, hat sich jedoch deutlich zugunsten von Frauen verschoben, die in den letzten Jahren mehrheitlich vertreten waren.

Der Anteil von Erst-Akademiker*innen liegt bei 40 % und ist über die Zeit rückläufig (in der jüngsten Gruppe 27 %). Die deutliche Mehrheit (86 %) sind in ihrem familiären Umfeld die ersten, die im Arbeitsbereich EZ/IZ tätig wurden.

Etwa die Hälfte ordnet ihr Elternhaus auf den oberen Stufen einer sozialen Leiter ein, 20 % auf den unteren. Der subjektive sozioökonomische Status steigt über die Zeit.

Die Mehrheit der Teilnehmenden hat vor der Teilnahme am PGP in einem der westdeutschen Bundesländer oder in Berlin gelebt, nur wenige in einem der ostdeutschen Länder. Deutlich gestiegen ist der Anteil derjenigen, die vor dem PGP im Ausland lebten: In der jüngsten Kohorte ein Drittel.

Seit 60 Jahren Wegbereiter

Die Studie zeigt: Das PGP bleibt ein zentraler Wegbereiter für Kompetenzen, Netzwerke und Karriereentwicklung in der internationalen Zusammenarbeit – heute wie vor 60 Jahren.