Der geopolitische Wettbewerb im Indopazifik und dessen Einfluss auf die Entwicklungspolitik

Nath, Ela / Stephan Klingebiel
Policy Brief (9/2023)

Bonn: German Institute of Development and Sustainability (IDOS)

DOI: https://doi.org/10.23661/ipb9.2023

Engl. Ausg. u.d.T.:
Geopolitical competition in the Indo-Pacific: managing development cooperation
(Policy Brief 8/2023)

Mit diesem Policy Brief beleuchten wir den geopolitischen Einfluss auf die Entwicklungspolitik im indopazifischen Raum. Zunächst geht es um die Entstehung von Strategien zum Umgang mit dem Indopazifik und deren Überschneidungen mit geo- und entwicklungspolitischen Ansätzen traditioneller Entwicklungsakteure wie den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union. Dann untersuchen wir, wie diese Narrative die entwicklungspolitischen Ansätze von China und Indien prägen. Im Anschluss erörtern wir, wie sich diese Dynamik in Schlüsselregionen des Indopazifiks, insbesondere in Südostasien, Südasien und auf den pazifischen Inseln, auswirkt. Wir erklären, warum der Wettbewerb zwar Chancen für diese Regionen bietet, positive Entwicklungsergebnisse sich aber nur dann erzielen lassen, wenn diese Chancen strategisch genutzt werden. Traditionell hat die Geopolitik immer Einfluss auf Entwicklungsdebatten und die Entwicklungspolitik gehabt, ein Fakt, der auch künftig Bestand haben dürfte (Power, 2019; Liao & Lee, 2022). Mit Chinas globalem Aufstieg im letzten Jahrzehnt hat sich der geopolitische Wettbewerb auf wirtschaftlicher, strategischer und geopolitischer Ebene verstärkt. China wird zunehmend als Konkurrent traditioneller globaler und regionaler Mächte – etwa der Vereinigten Staaten, der Europäischen Union, Japans oder Australiens – wahrgenommen. In Reaktion darauf entstanden neue Strategien, um diesen Aufstieg zu lenken, ihn zu neutralisieren oder ihm entgegenzuwirken. Eine der Folgen dieser Entwicklung ist, dass die entstehenden Rahmenbedingungen und Strategien rund um den Indopazifik mittlerweile den Diskurs über die globale Geopolitik, einschließlich der Entwicklungspolitik, stark beein-flussen oder sogar dominieren. Der starke geopolitische Wettbewerb hat dazu geführt, dass Entwicklungspolitik zu einem umkämpften Thema geworden ist. Die Triebkräfte dieser Dynamik sind der rasante Aufstieg Chinas sowie die darauffolgende Entwicklung von Strategien für den Indopazifik, die diesem Aufstieg entgegenwirken sollen. Während dieser Wettbewerb zwischen und innerhalb von Ländern und Regionen zu Spaltungen führen kann, kann er auch zu mehr Multipolarität, mehr Eigenverantwortung der Part-nerländer und zu einem positiven Wettbewerb um Ergebnisse im Entwicklungsbereich führen. Der Wettbewerb und die zahlreichen damit verbundenen neuen Strategien, Ressourcen und Initiativen können Partnerländern die Möglichkeit bieten, sich Ressourcen und Zusagen für ihre eigene Entwicklungsagenda zu sichern. Anstatt „gezwungen“ zu sein, sich für eine Seite zu entscheiden, können Länder und Regionen versuchen, den geostrategischen Wettbewerb zu ihrem Vorteil zu nutzen – und tun dies bereits. Der Wettbewerb bietet Optionen und die Chance, an Entscheidungen teilzuhaben. Die Übernahme von Verantwortung für diese Strategien und Ressourcen sowie deren Steuerung können für die Partnerländer und -regionen jedoch eine große Herausforderung darstellen. Eine mögliche Lösung sind Absicherungsstrategien (Hedging), die aber auch Risiken bergen, vor allem, wenn politische Entscheidungen plötzlich alles verändern und Entwicklungserfolge in der Folge gefährdet werden. Zwar gibt es eine Fülle von Strategien für den indopazifischen Raum, die Visionen und Wege aufzeigen, wie internationale und regionale Mächte die wirtschaftlichen, diplomatischen, sicherheits- und entwicklungspolitischen Beziehungen zu den Ländern des indopazifischen Raums stärken sollten. Allerdings ist es an den indopazifischen Ländern selbst, eigene Strategien zu entwickeln, die Visionen und Ziele für die Zusammenarbeit mit Großmächten und anderen Akteuren enthalten, die sich um ihre Partnerschaft bemühen.

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